Archiv für Juli 2010

Falsche Anreize?

16. Juli 2010 von Philippe C. Mangold

Im tragischen Fall der tödlich verunglückten Frau im Bielersee will die Polizei keine Belohnung zur Aufklärung des falls ausschreiben. Noch nicht, wie die Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern andeutet. Der Grund sei, dass sie viele Hinweise auf den / die Täter/in haben.

Klingt erstmals vernünftig. Je länger man aber darüber nachdenkt, desto weniger vernünftig scheint dies. Es stellt sich die Frage, welche Anreize gesetzt werden: Wenn man etwas weiss ist es optimal erst einmal nichts zu sagen und sich dann zu melden, wenn eine genügend hohe Belohnung ausgeschrieben wurde. Klingt schon weniger gut, aber genau dieses Verhalten wird so gefördert.

Der Ethiker wendet ein: “Aber man muss doch sein Wissen darüber immer sofort mit der Polizei teilen.” Ähm ja, natürlich…  (mit leicht ironisch-sarkastischem Unterton, aber nur ganz leicht, weil der Ökonom möglicherweise ein anderes Menschenbild als der Ethiker hat.)

Too-big-to-fail ist kein Problem der Banken, sondern der Politik

13. Juli 2010 von Philippe C. Mangold

Gegenwärtig aktuell ist das sogenannte too-big-to-fail Problem: dass grössere Banken angeblich nicht zahlungsunfähig werden dürfen. Leider wird dabei vergessen, dass dies nicht primär ein Problem der Banken ist, sondern der Politik.

Eine bankrotte Unternehmung ist für viele schlecht: Arbeitnehmer fürchten um ihren Arbeitsplatz, Zulieferer um Aufträge und Gläubiger um Geld. Diese Anspruchsgruppen erzeugen typischerweise enormen politischen Druck und damit den Willen, diesen Unternehmungen finanziell zur Seite zu stehen. Schliesslich wollen Politiker wiedergewählt werden. Oft mit haarsträubend schlechten Argumenten werden so die Steuerzahler zur Kasse gebeten. Dies war beispielsweise bei Swissair so, und die Swissair hatte nun wirklich wenig mit dem Finanzsystem zu tun.

Es gibt international viele Beispiele – im Finanzbereich sowie ausserhalb – die zeigen, dass politischer Aktivismus für das Problem verantwortlich ist: Eine private Unternehmung Konkurs gehen zu lassen ist eine schwierige Entscheidung. Aber das gehört zu einem marktwirtschaftlichen System dazu und muss gesellschaftlich akzeptabel sein. Ein aktuelles Beispiel für too-big-to-fail-Propaganda ist BP. In englischen Medien werden bereits Argumente konstruiert, weshalb auch BP gerettet werden muss, auch dort eines seltsamer als das andere.

Unsichere Zukunft der Schweizer Armee

6. Juli 2010 von Olivier Martin

Die GSoA lancierte gestern eine Initiative, die die Wehrpflicht aufheben soll. Sie nutzt den Zeitpunkt des schwindenden Rückhalt in der Bevölkerung aus und behauptet, dass man Katastrophen mit einem freiwilligen Zivildienst begegnen kann.

Ein Problem der Armee ist, dass es sich für viele junge Erwachsene offensichtlich nicht mehr lohnt, Militärdienst zu leisten. Im Gegensatz zu früher wird der Militärdienst zu einem Karrierehindernis. Hier ist auch die Wirtschaft gefragt, wenn sie das Milizprinzip erhalten will. Es braucht wieder Anreize mindestens eine RS zu absolvieren.

Die Armee muss schauen, dass sie effizienter wird. Wenn ein Soldat 3 Wochen im WK nichts zu tun hat, sinkt auch die Bereitschaft des Arbeitgebers ihn für diese Zeit ins Militär zu schicken.

Und die Medien sollen endlich aufhören, immer nur negativ von der Armee zu berichten. Es schadet der Motivation aller Beteiligten. Lieber würde ich einmal konkrete Lösungsvorschläge sehen, aber dies gehört leider zur momentanen Medienkultur.

Genau gleich negativ wird nämlich über Jugendliche berichtet.

Ansonsten wird sich bald die Schweiz mit einer Berufsarmee anfreunden müssen, was mit der momentanen Verbotskultur nicht gerade förderlich ist. Eine Berufsarmee wird man schneller gegen Demonstranten einsetzen.

Die GSoA will die Armee abschaffen, im Gegenzug zeigt sie aber keine konkreten Lösungsvorschläge, wie man die Schweizer Bevölkerung vor Bedrohungen und Katastrophen schützen könnte. Wenn Herr und Frau Schweizer in Zukunft keine Sicherheit haben wollen, dann bitte sofort diese Initiative unterschreiben. Bitte aber später nicht weinen, wenn man die Armee gebraucht hätte, denn die GSoA wird euch keine Sicherheit bieten.